Auch Texter müssen leben

Beruf Texter

Ich nehme einmal die aktuellen Diskussionen um das Thema Textpreise zum Anlass, meine Sichtweise darzustellen. Texte sind wichtig, um im Internet mit seinen Seiten bestehen zu können.

Man möchte neue Kunden generieren oder seinen Online-Shop auf dem hartumkämpften Markt mit außergewöhnlichen Produktbeschreibungen hervorheben.

Gerade in der wirtschaftlich angespannten Lage versucht jeder, den Wortpreis zu drücken. Doch was manche Auftraggeber für Preisvorstellungen haben, strotzt jeder Beschreibung.

Jobbörsen unterstützen die Preistreiberei teilweise

Klickt man sich durch zahlreiche Börsen, merkt man den Preisverfall besonders. Da werden Texter gesucht, die das Wort für gerade einmal 0,6 Cent schreiben sollen. Als wären diese Angebote nicht schon schlimm genug, finden sich hier natürlich auch noch Bewerber dafür, die sich um diese Aufträge fast „prügeln“.

Natürlich werden auch für diese Texte dann besondere Anforderungen gestellt – einwandfreie Rechtschreibung und Grammatik, eine korrekte Rechnung, Termintreue und komplett recherchierte und stichhaltige Texte.

Doch schreiben professionelle Texter für diesen Preis?

Vielleicht würden sie es, weil sie Spaß am Schreiben und an der Thematik haben, aber sie können es nicht. Professionelle Texter wie ich, leben davon und müssen oder wollen eben mit dem Schreiben ihren Lebensunterhalt verdienen.

Das ist mit einem umgerechneten Stundenlohn von 5 Euro (wenn man obigen Preis als Grundlage nimmt und schnell tippt) nicht möglich.

Texter müssen leben

Texter müssen leben – Margot Kessler pixelio

Professionelle Texter benötigen mindestens 40 Euro in der Stunde, wobei dies ebenfalls recht knapp kalkuliert ist.

Da müsste es schon eine 7 Tage Vollbeschäftigung sein, um auch noch seine Steuern, die Krankenkassenbeiträge und dergleichen bezahlen zu können.

Aber gut, jeder muss seine individuelle Kalkulation bei der Auftragsannahme berücksichtigen.

Billigtexte müssen nicht pauschal schlecht sein

Natürlich kann man nicht pauschal behaupten, dass billige Texte unbedingt sehr schlecht sein müssen, aber man merkt vielen Texten, seien sie für Webseiten, Artikelverzeichnisse oder für Produktbeschreibungen, an, dass sie in einer Art Akkordarbeit erstellt wurden.

Hier finden sich meist Rechtschreibfehler, lieblos getippte Fakten, langweilige Füllwörter oder, was besonders schlimm ist, Double Content wieder.

Professionelle Texterstellung muss nicht teuer sein

Wenn professionelle Texter einen Auftrag erhalten, dann werden sie diesen auch professionell ausführen. Es wird eine gründliche Recherche durchgeführt, vielleicht sogar Fachliteratur angeschafft und auf die bestimmten Wünsche des Kunden eingegangen. Das ist zwar auf den ersten Blick teurer, allein der Wortpreis ist hier höher angesetzt, doch es rechnet sich im Nachhinein.

Auf Wunsch ist bei den Texten selbstverständlich noch eine Korrekturschleife enthalten. Man hat die Zeit zu recherchieren und die Texte vor der Abgabe noch einmal zu korrigieren. Die Sorgfalt und das Gespür für die richtigen Worte, dass ist der Texter dem Kunden schuldig. Der Preis soll sich ja schließlich auch rechtfertigen.

Geld Viktor Mildenberger pixelio

Vom Texten allein wird man sicherlich nicht reich, doch es soll auch keine brotlose Kunst darstellen.

Bei der heutigen „Geiz-ist-geil-Mentalität“ wird es aber immer schwieriger, sich im umkämpften Markt mit „Freizeittextern“ durchzusetzen, wenn Qualität und Professionalität nicht mehr geschätzt und honoriert wird.

Das soll so aber nicht sein, wenn man für sein Geld auch die entsprechende Textqualität erwartet. Vielleicht sollte der ein oder anderen einmal darüber nachdenken.

Wortschubse

Be Sociable, Share!

Ähnliche Artikel:

3 comments

  1. Carsten Todt sagt:

    0,6 Cent? Das ist eigentlich textbroker-2-Sterne-Niveau – also jene, welche nicht mehr ganz so viele Rechtschreibfehler in ihren Texten lassen und sich wenigstens mal als „Freizeittexter“ versuchen dürfen. Solche Aufträge werden generell nur ein einziges Mal vergeben … 😉

    Das achtfache, also 4,8 Cent je Wort, ist aber normalerweise noch immer nicht so viel, um professionell arbeiten zu können. Da bleibt erstens für all die „kleinen aber notwendigen Aufgaben“ wie Recherche oder Korrektur ebenfalls keine Zeit – und zweitens könnte man Freizeittexter bei den entsprechenden Dumping-Portalen bleiben (ja, auch gute Freizeittexter kommen auf einen solchen Betrag). Wenn dies (5 Cent je Wort) wirklich genügen würde, käme also auch so mancher schnell-schreibender Schüler auf die Einnahmen eines Einzelunternehmers. Professionelle Texter sind üblicherweise noch teurer.

  2. Carsten Todt sagt:

    Nachtrag: Üblicherweise berechnen professionelle Texter auch oftmals nach Zeichen, nicht nach Worten.

    Ich habe mir nun auch mal die verlinkte Seite näher angesehen. Hier ist von größeren Textmengen (ab 10 Stück) und Artikelverzeichnissen die Rede. Hierbei handelt es sich also keineswegs um „professionelle einzelne Handarbeit“ sondern lediglich um die sogenannten Spinning-Texte. Das sind Texte, die einmal schnell für die Artikelverzeichnisse eingetippt werden, und dann einfach über eine spezielle „Automatik“ vervielfacht werden, wobei die einzelnen Worte automatisch (fast automatisch – mit entsprechender Vorbereitung) durch Synonyme ersetzt werden. Für Artikelverzeichnisse reicht das aus. Auf die eigene Homepage wird sich sowas niemand stellen. Und sogar die Verteilung an die AVs wird noch mal extra berechnet.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Für „professionelle Qualität“ sind solche „Texte“ überhaupt keine Konkurrenz … 😉

    Ich habe mich zu solchen Preisen übrigens auch schon mehrfach geäußert, wie hier: http://seo-sem-texter.de/seo-guenstig.html
    und ich werde auch noch mehr dazu folgen lassen.

  3. Wortschubse sagt:

    Hallo Carsten,

    solange SEOs ihre Seiten selbst ohne Content in die Serps bringen, wird die Qualität auch weiter keine Rolle spielen. Sätze wie: ..hauptsache, es steht was drin.. die Qualität ist zweitrangig.. hab ich schon öfters gehört.

    Es gibt auch Kunden, die „freiwillig“ mehr bezahlen, weil sie gute Texte haben wollen. Wobei ich auch schon 10 ct/W Texte gelesen habe, die man bei TB für 3 Sterne bekommen hätte.

    Schlimm genug, dass viele „teure“ Texter ihre Texte auch auf TB schreiben lassen und diese dann teuer verkloppen. Ok, die Rechtschreibprüfung wird nochmal aktiviert :) aber das wars auch schon.

    Viele Freizeittexter leben auch für den Moment. Sie wollen das Geld und scheren sich nen Scheiß, ob der Kunde wieder kommt oder schlecht über einen redet.

    Aber, es muss für jeden einen Markt geben. Angebot und Nachfrage eben…

    Das ist branchenübergreifend

    LG
    Wortschubse

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *