Laktasemangel – ein weltweites Gesundheitsproblem

Laktasemangel - Pixabay

Für viele Menschen ist der Verzehr von Milchprodukten eine Qual wenn nicht gar unmöglich. Oft ist Laktasemangel die Ursache. Keine Seltenheit, denn mehr als 70 Prozent der Weltbevölkerung sind inzwischen davon betroffen. Blähungen nach einem Joghurt, Durchfall nach ein paar kräftigen Schlucken kalter Milch – viele Menschen kennen das Problem, aber was steckt, dahinter?

Nach eingehenden Untersuchungen entpuppt sich oft der sogenannte Milchzucker (Laktose) als der Übeltäter. Dieses Milch-Kohlehydrat sorgt in vielen Fällen für Unverträglichkeiten nach dem Genuss von Milchprodukten, man spricht dann von Laktose-Intoleranz.

Was ist Laktose überhaupt?

„Laktose ist ein Doppelzucker, der sich aus den beiden Einfachzuckern Glukose (Traubenzucker) und Galaktose zusammensetzt“, erklärt Daniel Wyrobnik, Geschäftsführer der Pro Natura Gesellschaft für gesunde Ernährung mbH (Frankfurt/M.). „Milchzucker kann aus dem Dünndarm nicht aufgenommen werden und ist für den Körper daher nicht verwertbar.

Dagegen sind die Einfachzucker Glukose und Galaktose Nährstoffe, die vom Körper leicht aufgenommen und verwertet werden können.“ Deswegen wird der Milchzucker während der Verdauung von Laktase-Enzymen im Dünndarm aufgespalten.

Auswirkungen des Laktasemangels

Wenn das Enzym Laktase im Körper nicht ausreichend verfügbar ist, also ein Laktasemangel vorliegt, gelangt der Milchzucker in ungespaltener Form in die unteren Darmabschnitte (Dickdarm) und wird dort durch Darmbakterien unter Gasbildung vergoren.

Außerdem kann die Laktose einen vermehrten Wassereinstrom in den Dickdarm verursachen. Dies kann dann nach dem Verzehr von Milchprodukten zu den typischen Beschwerden wie etwa Bauchschmerzen, Blähungen, Völlegefühl oder Durchfall führen. Wegen der Ähnlichkeit der Beschwerden wird Laktose-Intoleranz häufig mit dem Reizdarm-Syndrom (irritables Colon) verwechselt.

Es gibt drei verschiedene Formen von Laktasemangel:
• primärer Laktasemangel

• sekundärer Laktasemangel

• angeborener Laktasemangel

Stillkind - Pixabay

Stillkind – Pixabay

Die Menge an Laktase im Dünndarm ist bei Babys während der Stillperiode am höchsten und nimmt dann bei den meisten Menschen genetisch bedingt kontinuierlich ab.

Wyrobnik: „Der sich dann ergebende sogenannte primäre Laktasemangel ist also das Resultat eines normalen Alterungsprozesses und bei der überwiegenden Mehrheit – 70 bis 90 Prozent der erwachsenen Weltbevölkerung zu beobachten.

So vertragen beispielsweise fast alle Bevölkerungsgruppen Afrikas und Asiens keinen Milchzucker.

Aber auch in Deutschland haben ca. 15 Prozent der Erwachsenen einen primären Laktasemangel. Verschiedene Darmerkrankungen können zu einem sogenannten sekundären Laktasemangel führen, so z. B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und sonstige Darmentzündungen (zum Beispiel aufgrund von viralen oder bakteriellen Darminfektionen). Der sekundäre Laktasemangel bildet sich nach der Ausheilung der ihn verursachenden Darmerkrankung üblicherweise wieder zurück.

Beim sehr selten vorkommenden angeborenen Laktasemangel fehlt den Neugeborenen das für die Laktaseproduktion verantwortliche Gen. Dies führt zu einer Unfähigkeit des Organismus, das Enzym überhaupt zu bilden. Bei diesen Säuglingen muss eine strikt laktosefreie Ernährung eingehalten werden.

Wie kann man einen Laktasemangel feststellen?

Viele Menschen mit Laktasemangel merken selbst, dass Sie oder Ihre Kinder ab einem bestimmten Alter Milch und Milchprodukte nicht mehr gut vertragen. „Wem die reine Beobachtung, dass die problemlos verzehrbare Menge an Milch und Milchprodukten gegenüber jüngeren Jahren gesunken ist, nicht ausreicht, der kann einen Laktasemangel durch einen Laktosebelastungstest mit anschließender Messung der Blutzuckerwerte, alternativ durch einen Laktosebelastungstest mit anschließender Messung der Wasserstoffkonzentration in der ausgeatmeten Luft (H2-Atemtest) oder durch einen Gentest festgestellt werden“, sagt Daniel Wyrobnik.

Und was kann man bei Laktoseintoleranz tun?

Natürlich sollte man bei der Ernährung auf den Laktosegehalt der Nahrungsmittel achten. Dabei sollte man auch immer ein Augenmerk auf die Beschriftung von Fertigprodukten haben. Laktose wird häufig als Trägerstoff verwendet. Bei betroffenen Säuglingen raten Experten zu einer strikt laktosefreien Diät.

Inzwischen gibt es auf dem Markt eine große Palette laktosefreier Produkte, die entsprechend gekennzeichnet sind. Betroffene können zum Beispiel Laktase in Form von Pulver, Tabletten oder Kapseln einsetzen. Hier gilt es allerdings, genau auf die Dosierung zu achten.

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8 comments

  1. Jessica sagt:

    Auch ich habe vor ein paar Jahren festgestellt, dass ich keine Milch mehr vertrage. Zuerst konnte ich mir nicht erklären, weshalb ich immer öfter Magenschmerzen und Übelkeit hatte. Sie traten ja nicht ständig auf, aber immer wieder. Ich habe über alles mögliche nachgedacht. Was hast du gegessen, was hast du gemacht usw. Aber an die Milch hab ich einfach nicht gedacht.
    Erst als eine Freundin mir erzählte, sie habe eine Laktoseintolleranz, fiel mir auf, dass meine Magenschmerzen immer dann auftraten, wenn ich Milch getrunken oder irgendetwas gegessen hatte, das Milch enthielt. Ich hab dann angefangen Soja-Milch bzw. andere laktosefreie Produkte zu verwenden, die es ja glücklicherweise mittlerweise für alles Mögliche gibt. Seitdem geht es mir wieder gut und ich habe keine Magenschmerzen mehr.

  2. Alexander sagt:

    Hallo, danke für diesen sehr schönen Artikel ein sehr interessantes und wichtiges Thema was die meisten unterschätzen.

    MfG Alexander

  3. Ich vertrage Milch leider auch nicht, aber zum Glück habe ich eine gute Alternative gefunden – Mandelmich. Schmeckt wirklich sehr gut, hat zwar mehr Kohlenhydrate (10g / 100ml), aber man muss ja nicht gleich den ganzen Karton austrinken.

    Gruß.

  4. Thomas sagt:

    Leider vertrage ich Milch auch nicht und trinke manchmal Sojamilch. Leider schmeckt diese Milch mit Kafee nicht so gut.

  5. Michael sagt:

    Kokusmilch ist die Lösung bei mir gewesen. Mittlerweile mag ich diese gar nicht mehr missen. Nur bei Eis und Naturjoghurt wird das ganze Problematisch.

  6. Sonja sagt:

    Zum Glück sind Nahrungsmittelunverträglichkeiten und -allergien mittlerweile ein großes Thema. Es gibt viele laktosefrei Nahrungsmittel im ganz normalen Supermarkt zu kaufen.Das erleichtert den Umgang mit Allergien enorm.

  7. Natalie sagt:

    Ich finde es sehr gut dass es jetzt schon ein größeres Angebot an Laktose freien Produkten gibt. Und vor allem kann man sie mittlerweile im Supermarkt kaufen, und muss nicht extra in ein Reformhaus fahren. Immer mehr Menschen auch in meinem Umfeld leiden an einer Laktose Intoleranz. Ich probiere auch immer öfter Laktose freie Produkte aus und finde sie sehr lecker. Ich glaube aber auch, dass wir so viele Lebensmittel Unverträglichkeiten haben, da unsere Lebensmittel voll mit chemischen Zusatzstoffen und Aroma Stoffen sind. Würden wir wieder mehr auf die Qualität unsere Lebensmittel achten und gesündere Bio Produkte esse, hätten wir auch nicht so viele Allergien.

  8. Kevin Ackermann sagt:

    Ein weltweites Problem ohne Frage, aber 70% der Bevölkerung scheint mir doch ein wenig hoch angesetzt.

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