Das eigene Pubertier

Ein neuer Mitbewohner – das Pubertier

Kennt Ihr das auch? Ihr sitzt am Frühstückstisch und zu Euch gesellt sich eine schweigende, grimmig drein guckende Gestalt, welche sich – auch wenn Ihr es in diesem Moment nicht wahrhaben wollt – als Euer eigen Fleisch und Blut identifiziert? Herzlichen Glückwunsch zu Eurem neuen Mitbewohner – dem Pubertier!

Der Alltag mit einem Pubertier

„Guten Morgen“ war gestern – heute ist „Du nervst“ und ein erster Blick aufs Handy angesagt, das Checken neuer Status-Meldungen/Profilbilder und überhaupt „hatten wir Hausaufgaben auf“? Auf die Aussage Eurerseits, dass das Etwas an Eurem Frühstückstisch doch etwas Nahrung zu sich nehmen sollte, folgt die Antwort „hab keinen Hunger“. Diskutieren zwecklos. Es wird aufgestanden, der Raum verlassen (natürlich mit Handy in der Hand) und das Kinderzimmer mehr oder weniger im Blindflug angesteuert. Türe zu.

Gefühlte 2 Stunden später und zigmal rufen „bitte komm jetzt, es ist schon spät“, öffnet sich die anscheinend vorhandene „Kinderzimmer-Schallschutztüre“ Eures Sprösslings und eine wiederum total veränderte Person watet an Euch vorbei – in vermutlichen „Ganzjahres-Hotpants“ und bauchfrei. Auf Euren Hinweis hin, dass es bereits Herbst sei und man so nicht mehr rumlaufen sollte – schon gar nicht in die Schule – erhaltet Ihr ein

„Chill mal!“ Und Tschüss!

Kaum hat sich das Pulsieren Eurer Halsschlagader wieder beruhigt, ist es auch schon Mittag und Euer Pubertier kommt nach Hause – mit riesigem Hunger, da das Frühstück ja ausgefallen ist und für Essen in der Pause heute natürlich wieder keine Zeit war. Jetzt könnt Ihr nur hoffen, dass Ihr eure angeblich vorhandenen, telepathischen Fähigkeiten richtig eingesetzt habt und das „Wunsch-Mittagessen“ auf den Tisch gezaubert habt – sonst wird es grausam. Nach erfolgter Nahrungsaufnahme wird wiederum vom Mittagstisch aufgestanden und der Raum verlassen. Das Dienstmädchen Mama darf gerne den Tisch selber abräumen – hat ihn ja auch schließlich aufgedeckt.

Laute Musik ertönt aus dem Kinderzimmer. Ihr klopft an die Tür der „Kammer des Schreckens“ und öffnet diese auf eigene Verantwortung nach „keinem Herein“ und etwa 10-maligem Anklopfen. Auf Euren freundlichen Hinweis, die Musik etwas leiser zu drehen, da die Bewohner der Nachbargemeinde Eurer Meinung nach einen anderen Musikstil haben könnten, erhascht Ihr einen bösen Blick und ein „Tür zu!“

Live is beauftiful!

Ihr versucht gerade in die „Erdungsphase“ überzugehen und jetzt nicht zu explodieren, da taucht Euer Pubertier bei Euch im Wohnzimmer auf, weil es irgendetwas sucht. Euer Kommentar „Such am besten bei Dir im Zimmer auf dem Boden, da findest Du eigentlich alles“ bringt das Fass zum Überlaufen. Wie kann man als Mutter denn nur so grausam sein und sein Kind in einer so prekären Situation einfach im Stich lassen? Das Resultat könnt Ihr Euch sicher denken.

Und schon steht auch schon wieder Euer Mann in der Tür, welcher die „dicke Luft in der Gruft“ bereits beim Einbiegen in die Einfahrt förmlich riechen konnte. Als Ihr Ihn darüber aufklärt, was heute während seiner Abwesenheit zuhause wieder abging, bekommt Ihr zur Antwort, dass Ihr gerne Mal mit ihm tauschen könnt und überhaupt, dass Reaktion Gegenreaktion hervorruft. Genau auf diese Meldungen hat Mutter heute noch gewartet.

Was Ihr bisher nur vom Hören sagen kanntet, ist jetzt auch in Eurem Haus bittere Realität geworden. Ein „bei uns wird das bestimmt einmal anders – wir haben unsere Kinder im Griff“ ist Schnee von gestern.

Erschöpft liegt Ihr abends in Eurem Bett und denkt über Eure Zeit der Pubertät nach – mit der Feststellung, dass es irgendwie anders war. Natürlich hatte man auch seine Trotzphasen, aber irgendwie gab es eine gewisse hierarchische Regelung – der Respekt vor den Eltern war deutlich höher. Heute kommt es Euch so vor, wie wenn die Kinder sich mit Euch auf gleicher Augenhöhe unterhalten bzw. manchmal sogar versuchen, Euch zu erziehen.

Natürlich darf man nicht vergessen, dass sich die letzten Jahrzehnte erheblich etwas im Bereich der Gesellschaft – vor allem durch die Medien – verändert hat. Es ist vieles steriler geworden. Vor allem, was die sozialen Kontakte betrifft. Ein früherer Griff zum Telefon endet heute in einer Flut an Kurznachrichten.

Eine Patentlösung für die Lebensphase Pubertät gibt es nicht. Wahrscheinlich heißt die Lösung einfach ausharren und warten, bis der Sturm vorüberzieht. Jedoch – überrascht Euer Kind doch einfach mal mit einer Verhaltensweise, welche es von Euch in kompletten Ausrastphasen niemals erwartet hätte. Nehmt es in solchen Momenten einfach in den Arm. Solltet Euch das nicht gelingen, verlasst einfach den Raum. Und Ihr werdet sehen, nach ein paar Minuten meldet sich ein ganz entspanntes Kind wieder bei Euch. Meist wird der Ausraster vonseiten des Pubertier mit keiner Silbe mehr erwähnt werden.

Egal wie der Tag wieder verlaufen ist, Ihr liebt Euren Sprössling wie vor dieser Pubertier-Phase und insgeheim wünscht Ihr ihm nichts Schlimmeres, als ein eigenes Kind, welches in dieser Lebensphase genauso drauf sein wird, wie Eures aktuell.

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Ein Gedanke zu „Ein neuer Mitbewohner – das Pubertier

  1. Adventszeit

    Mit einem Schmunzeln im Gesicht habe ich Deinen Beitrag gelesen. Ich erinnere mich noch sehr gut daran als meine Tochter zum Pubertier mutierte. Ihre Stimmungen wechselten so schnell, das ich überhaupt nicht verstand, was jetzt schon wieder los ist. Von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt und sogar aggressiv. Ich muss zugeben ich war total überfordert. Teilweise hatte ich sogar Schuldgefühle und dachte, was habe ich nur falsch gemacht? Ihr Zimmer sah immer aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen und jeden Monat mussten neue Klamotten gekauft werden, weil sie ja nie etwas zum anziehen hatte. Damals dachte ich, was macht sie nur, wenn sie mal alleine leben muss und ihr niemand hinterher räumt. Heute ist sie selbst Mutter und sie hat mir ein wundervolles Enkelkind geschenkt auf das ich sehr stolz bin. Ich muss wirklich sagen, sie macht ihre Sache perfekt und das ehemaligen Pubertier ist zur verantwortungsvollen jungen Mutter geworden, die in ein paar Jahren selbst erleben wird was es heißt, wenn Kinder zu Erwachsenen werden.

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